Lehrstellen im Handwerk – Auszubildende gesucht!

Im Handwerk sind alljährlich mehr Lehrstellen als Bewerber zu verzeichnen. Woran das liegt, mag man spekullieren. Vielleicht daran, dass in Deutschland nur noch ein Studium zählt und ein Handwerker oft belächtelt wird. Vielleicht auch daran, dass ein studierter Mitarbeiter vordergründig mehr verdient als der Geselle.

Doch was ist Deutschland ohne seine Handwerker?

Barbara Eckholdt / pixelio.de

Barbara Eckholdt / pixelio.de

Mein Mann ist KFZ-Mechaniker-Meister (ich weiß, das heißt heute anders – als er seinen Meister machte, hieß der noch so). Er verdient recht angenehm, hat total verschiedene Aufgaben – und es ist ihm bestimmt nicht langweilig auf der Arbeit.

Klar, Mechatroniker, wie das heute heißt, ist einer der begehrtesten Berufe unter Jungs, die eine Lehrstelle suchen – aber das was ich eigentlich damit zeigen will, ist:

Man kann auch im Handwerk einen gutbezahlten und interessanten Beruf bekommen.

 

Keine geeigneten Bewerber für über 20.000 Ausbildungsplätze

So titelte meine Tageszeitung diese Wochenende – doch was heißt das jetzt? Geeignet? Also doch Bewerber? Welche Bewerber sind denn geeignet und welche nicht?

Dem gegenüber stehen über 100.000 Bewerber, die keinen Ausbildungplatz bekommen haben – sind die etwa alle ungeeignet? Nicht wirklich, oder? Ich sehe das etwas anders. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich dass manche Ausbildungsbetriebe einfach mit zu hohen Erwartungen an die Lehrlingssuche herangehen.

Was soll ein angehender Auszubildender denn so können?

Klar, wäre es toll, wenn der Azubi die ein odere andere Qualifikation schon hätte – aber wie es oft so ist, bewirbt sich so ein junger Mensch meist auf zwei, drei oder gar noch mehr verschiedene Ausbildungsberufe. Aus der Notlage heraus – besser er findet „etwas, das halbwegs passt – als gar nichts“.

Ok, dass will der Ausbildungsbetrieb nicht hören – am Liebsten hätte der Chef, dass nur diese Ausbildung und nur dieses Unternehmen in Frage kämen. Da sollte man aber als Chef einmal sein Weltbild überprüfen. Ganz ehrlich.

Welcher Ausbildungsberuf soll angeboten werden?

Diese Frage stellt sich meist nur einmal – denn dann, wenn die Stelle neu geschaffen wird. Wichtig ist, dass der Ausbildungsberuf größtenteils damit übereinstimmt, was der Azubi bei dir tun soll.

Es gibt soviele Ausbildungsberufe im Handwerk:

  • Glaser
  • Konditor
  • Friseur
  • Bäcker
  • Fleischer
  • Schneider
  • Maler
  • Lackierer
  • Dachdecker
  • Maurer
  • ect.

Egal, ob auf dem Bau oder in den Bereichen Metall und Holz – überall gibt es verschiedenste Ausbildungsberufe. Hier den richtigen herauszufinden, ist manchmal nicht einfach – es kann dir aber die zuständige Kammer dabei helfen.

Beim ersten Auszubildenden solltest du vorher klären, ob du überhaupt ausbilden darfst – dies ist klar geregelt. Der richtige Ansprechpartner hierfür ist auch die zuständige Kammer. Diese können dir auch bei den weiteren Schritten in Richtung „Azubi“ helfen.

Welcher Azubi könnte passen?

Um dies zu prüfen, solltest du dir zu allererst anschauen, welchen Ausbildungsplatz du anzubieten hast. Je nach Ausbildungsberuf solltest du dir eine Mindestanforderung und eine Traumanforderung zurechtlegen.  Aber auch die andere Seite solltest du nicht vergessen: Was kann dein Betrieb dem Auszubildenden bieten? Wenn du diese beiden Punkte hast – kannst du schon einmal davon ausgehen, dass du auf die Suche gehen kannst.

Was tun wenn kein passender Auszubildender gefunden wird?

Hier gibt es im Endeffekt nur zwei Möglichkeiten:

  1. Ansprüche herunterschrauben
    Man sollte sich als Ausbildungsbildungsbetrieb überlegen, ob der Azubi wirklich Abitur oder Mittlere Reife braucht. Ebenso kann man einen guten Lehrling bekommen, wenn man etwas mehr Zeit investiert und die schlechtere Noten in einem Fach „wegzulernen“.So eine Unterstützung kann sich langfristig lohnen – denn aus solchen Spätzündern werden meist gute Arbeiter oder Angestellte.Natürlich kann man jetzt nicht sagen, dann stell ich ein, wen ich bekomme – egal, auch mit lauter Fünfern im Zeugnis. Aber man kann über eine schlechte Note oft hinweghelfen.
  2. Keinen Azubi einstellen
    Ist das wirklich eine Alternative? Ich möchte behaupten, nicht wirklich. Wir brauchen unsere Fachkräfte – die Arbeitnehmer werden immer älter. Junge Fachkräfte werden gesucht – und da sollte man sich als Ausbildungsbetrieb manchmal auch in die Pflicht nehmen.

Sich vor der Ausbildung kennenlernen? – Wie wärs mit einem Praktikumplatz?

Gerade wenn man sich nicht sicher ist, ob der Bewerber denn wirklich passt, kann ein Praktikum weiterhelfen. Für beide Seiten ist danach klarer, ob das zusammen passen könnte – denn, sind wir einmal ehrlich, 3 Jahre mit einem Auszubildenden (oder umgekehrt: in einem Ausbildungsbetrieb), der nicht passt – ist eine elend lange Zeit.

Um Praktikas anbieten zu können sollte dein Betrieb:

  • einen Ansprechpartner für Praktikanten haben
  • einige (einfachere) Tätigkeiten aussuchen, die der Praktikant ausprobieren kann
  • eine Entlohnung für den Praktikanten vorsehen
  • ein Zeugnis über das Praktikum ausstellen

Praktikaten sind keine billigen Arbeitskräft – selbstverständlich sollen sie auch einmal „mithinlangen“ und die Arbeit kennenlernen – aber sie sollen weder die Ablage auf Vordermann bringen noch für irgendwelche Putz- oder Aufräumdienste benutzt werden (Ausnahme: das Aufräumen und Saubermachen des Arbeitsbereiches, den der Jugendliche selbst genutzt hat).

Auf die Suche, fertig los

Wenn du jetzt endlich weißt, welchen Ausbildungsberuf du ausbilden möchtest/kannst, welche Art von Auszubildenden du suchst und das du das auch darfst, was du gerne möchtest :-), dann gehts an die Suche.

Dafür eignen sich, je nach Ausbildungsberuf, verschiedene Wege:

  • die Arbeitsagentur
  • die Tageszeitung
  • Online Stellenportale
  • Zeitungen der Schulen oder Gemeinden
  • und natürlich die eigenen Mitarbeiter davon unterrichten

Für die Printmedien sollte eine Stellenanzeige entworfen werden, die alle Punkte rüberbringt. Also was wünschst du dir von deinem Auszubildenden und was bietest du ihm. Gerade in weniger aktraktiven Ausbildungsberufen solltest du auf den letzteren Punkte eine höhere Gewichtung legen.

Die Auswertung der Bewerbungsunterlagen

Am Besten schreibst du in die Stellenangebote eine Abgabefrist – und wartest danach noch eine oder zwei Wochen. Wer sich danach bewirbt, hat dann Pech gehabt.

Diese Bewerbungsunterlagen sortierst du nun nach deinen vorher ausgearbeiteten Anforderungen:

  • Stabel A (alles passt)
  • Stabel B (das meiste passt)
  • Stabel C (könnte gehen)
  • Stabel D (naja, nicht wirklich)

Je nachdem, wieviele Bewerbungen du jetzt bekommen hast und wie sicher du dir mit Stabel D bist, kannst du diesen Bewerbern schon einmal ihre Unterlagen zurückschicken.

Nun solltest du dir darüber im klaren sein, dass sich alle Jugendlichen nicht nur bei dir beworben haben. Nun kommt die Eigeneinschätzung (bitte ehrlich sein) – die Kandidaten auf Stabel A sind die wirklich an der Stelle interessiert? Oder sehen sie deinen Betrieb nur als Notlösung? Natürlich kannst du alle A-Kanidaten einladen und danach schauen, wieviele wirklich bei dir arbeiten möchten. Aber hast du wirklich soviel Zeit?

Meine Erfahrung:

Wenn du nicht gerade einen sehr beliebten Beruf anbietest (Bürokauffrau, Mechatroniker, ect.) oder ein sehr hohes Ansehen besitzt (dein Betrieb ist überall bekannt und beliebt), dann werden diese Jugendlichen höchstwahrscheinlich einen interessanteren Ausbildungsplatz ergattern.

Wenn dir jetzt ein Kandidat aus Stapel A es wirklich angetan hat – dann versuch ihn zu überzeugen, biete ihm ein Praktikum an – und preise die Vorzüge deines Betriebes an. Aber mach das bitte nicht bei 10 oder mehr Jugendlichen. Das kostet Zeit und Nerven – und ist es meist nicht wert.

Wir stürzen uns jetzt auf Stabel B

Denn hier finden wir Jugendliche, die zwar nicht top und hundertprozentig sind – aber diese haben Potenzial und die Wahrscheinlichkeit, dass sie wirklich die Ausbildung bei dir antreten und durchziehen, ist sehr hoch. Ebenfalls würde ich über den Stabel C nochmal brüten – vielleicht ist eine Perle dabei, die man erst beim zweiten oder dritten Blick entdeckt. Hier haben auch kleine Ausbildungsbetriebe eine Chance.

Das Vorstellungsgespräch

Ich gehe hier immer wieder davon aus, dass du keinen sooooo interessanten Beruf anzubieten hast und auch dein Betrieb nicht in den Top10 der begehrtesten Ausbildungsbetrieben zu finden ist.

Deshalb solltest du dir ein paar gute Gründe suchen, die für dich und deinen Betrieb sprechen. Ich weiß – verdrehte Welt – als ich eine Ausbildungsstelle suchte, waren wir einfach nur froh, eine bekommen zu haben. Heutzutage muss man sich um (gute) Auszubildende wirklich bemühen.

Im Vorstellungsgespräche sollte dann einfach geklärt werden, ob man zusammenpassen könnte, ob die Rahmenbedingungen stimmen und ob der Jugendliche überhaupt wirklich Interesse an der Ausbildungsstelle hat.

Das Vorstellungsgespräch kann man in drei Phasen teilen:

  1. Begrüßung / Smalltalk
    Kurze Begrüßung und Frage nach der Anreise. Vorstellung aller Gesprächsteilnehmer.
  2. Eigentliches Bewerbungsgespräch
    Selbstvorstellung des Kandidaten, Überprüfen ob der Jugendliche die Stelle nur als Notlösung ansieht, ob er etwas über den Betrieb weiß, seine Schulzeit, interessantes Wissen bzw. Können, praktische Fragen (z.B. wie er denn zum Betrieb kommt)
  3. Verabschiedung
    Erklären des weiteren Vorgehens und wie lange auf die Zusage bzw. Absage wahrscheinlich zu warten sei.Noch eine kleine Randbemerkung:
    Wenn man seine Angestellten darauf anspricht, ob sie nicht einen passenden Bewerber kennen und sich dann Jugendliche daraufhin bewerben, sollte man diese auf alle Fälle einladen. Denn wenn man die empfohlenen Jugendlichen regelmässig übergeht, wird bald keiner deiner Angestellten im Bekanntenkreis für dich und deine Auszubildendensuche die Werbetrommel rühren.

Entscheiden musst du dich nun – welcher soll es sein?

Nach allen Bewerbungsgesprächen solltest du schnell die Wahl treffen. Wer ist deine Nummer eins?

Diesen solltest du dann schnellstmöglich darüber informieren – das geht am schnellsten und unkompliziertesten per Telefon. Hier bekommst du dann auch gleich noch eine Rückmeldung. Freut sich der Bewerber oder hat er mittlerweile eine andere Ausbildungsstelle? Ebenfalls kannst du noch kleinere Fragen abklären und gleich einen Termin zum unterzeichnen des Ausbildungsvertrages ausmachen.

Absagen schreiben

Eine unschöne Aufgabe. Zerstört doch jede Absage die Hoffnungen eines Jugendlichen. Doch besser eine Absage als gar keine Reaktion.

Ausbildungsvertrag unterschreiben

In welcher Reihenfolge du das machst, bleibt dir überlassen. Viele warten auch bis zu Unterzeichnung des Vertrags, bevor sie die Absagen losschicken. Aber auf jeden Fall solltest du den Ausbildungsvertrag relativ schnell unter Dach und Fach bringen.

Leider kann es trotzdem dann passieren, dass der Auserwählte nicht erscheint. Meist hat er dann später einen „besseren“ Ausbildungsvertrag später abgeschlossen und dir davon nichts gesagt.

Wenn das passiert, ist es gut, noch ein paar Telefonnummern von den ehemaligen Nummer 2 – 5 der Wunschkandidaten zu haben. Vielleicht hat ja einer von ihnen nicht soviel Glück.

 

Fazit:
Einen Auszubildenden zu bekommen, der den Ansprüchen halbwegs entspricht – und dann auch wirklich zur Ausbildung erscheint – ist in vielen Bereichen des Handwerks ein schwieriges Unterfangen. Aber es lohnt sich.

P.S.
Dies ist mein bester Beitrag des Jahres 2014. Gelistet bei der Blogparade von der Kellerbande mit Herz und Seele.

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