Kosten fürs Vorstellungsgespräch: Wer zahlt was?

Endlich hälst du die ersehnte Einladung zumr Vorstellungsgespräch. Dann der erste Schock: Das Vorstellungsgespräch findet in der nächsten Großstadt statt. Das sind jetzt einiges an Kilometer – und jetzt?

Thorben Wengert / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Wer zahlt die Fahrtkosten?

Jetzt ist der Vorstellungstermin sehr weit weg – und du müsstest mit der Bahn oder dem Auto einiges an Kilometer fahren. Doch wer trägt denn hier die Kosten?

Die Anfahrt zum Bewerbungsgespräch trägt – solange nichts anderes vereinbart ist – der Arbeitgeber in spe.

Das heißt, du kannst das Bahnticket von dem potenziellen Arbeitgeber genauso bezahlen lassen wie die Anfahrt mit dem Auto. Hier werden meist 30 Cent pro gefahrenen Kilometer berechnet.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Natürlich gibt es hier – wie meist – auch Ausnahmen:

Wenn der zukünftige Arbeitgeber in der Einladung darauf hinweist, dass die Anfahrtskosten vom Bewerber zu tragen sind, ist er raus. Ebenfalls kann er nur für die Hinfahrt erstatten – oder eine Pauschale oder eine Höchstgrenze für die Kostenübernahme setzen.

Beispiele:
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir etwaige Ihnen mit der Wahrnehmung von Vorstellungsgesprächen in unserem Hause verbundenen Kosten nicht übernehmen können.“

„Ausgehend von Ihrem im der Bewerbung angegebenen Wohnort übernehmen wir die Kosten Ihrer Anreise zu dem Vorstellungsgespräch bis zu einer Höhe der Kosten für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln der zweiten Klasse. Etwaige sonstige Vorstellungskosten (z.B. Hotel- oder Verpflegungskosten) werden nicht erstattet.“

Solange er das vorher im Einladungsschreiben ankündigt, ist das alles rechtens.

Die Kosten fürs Vorstellungsgespräch nachträglich ausschlagen

Solltest du nun mit Bahn oder Auto zum Vorstellungsgespräch gereist sein und im Vorstellungsgespräch erklärt dir der nette Personaler, dass er keine Reisekosten übernimmt, ist dies unwirksam.

Laut Paragraph 670 BGB muss die einladende Firma die Reisekosten zum Vorstellungsgespräch übernehmen – höchstens sie hat VORHER von der Erstattung Abstand genommen.

Auch solltest du dir überlegen, ob du den Job bei so einer Firma wirklich arbeiten magst – wer mit solchen Methoden schon vor der Einstellung arbeitet, was kommt dann alles danach?

Welche Kosten kann ich geltend machen?

Zu den Kosten, die dein eventueller Arbeitgeber zahlen muss, zählen:

  • Reisekosten zum Bewerbungsgespräch
    Hier bitte auf dem Boden bleiben. Eine Anreise mit dem eigenen Auto oder der Bahn (Fahrtkarte: zweiter Klasse) ist akzeptabel.
    Mit dem Flugzeug oder dem Taxi muss man nun wirklich nicht kommen.
  • Übernachtungskosten
    Hier muss du abwägen: Ist eine Hin- bzw. Rückfahrt während der Nacht noch möglich? Wenn du z.B. mit der Bahn anreist und in der Nacht dann stundenlang auf dem Bahnhof warten müsstest, weil der Anschlußzug erst Stunden später fährt, ist eine Übernachtung ok. Allerdings muss es auch hier nicht das Hilton sein.
  • Spesen
    Wenn du abends nicht mehr heimfährst, kannst du auch das Abendessen zahlen lassen. Aber auch hier zählt: bitte mit Augenmaß an die Bestellung gehen.

Um unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden, solltest du im Vorfeld klären, welche Aufwendungen bezahlt werden.

Fahrtkostenerstattung bei unaufgefordertem Erscheinen?

Wie bereits weiter oben im Artikel geschrieben, zahlt der der eingeladen hat. Wenn du nun unaufgefordert irgendwo auftauchst, musst du logischerweise die Reisekosten selbst tragen.
Sollst du nach der Fahrtkostenerstattung fragen?

In jedem Fall! Im Anschluß an das Bewerbungsgespräch kannst du ruhig nach einer Kontaktperson fragen, an die du deine Fahrtkostenabrechnung schicken kannst. Das zeigt nur, dass du auch dafür einstehst, dass zu bekommen, was dir zusteht. Viele Arbeitgeber sehen das positiv: Solltest du doch später mit gleicher Konsequenz für die Belange der Firma einstehen.

 

Für alle Kosten rund ums Vorstellungsgespräch zählt:

Was der potentielle Arbeitgeber nicht zahlt kannst du in der Steuererklärung geltend machen und zwar nur was er nicht zahlt! Zweimal abrechnen zählt (logischerweise) nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.