Arbeiten und doch Mutter sein
Ich habe mich vor vier Jahren (als mein Kleiner fast 3 Jahre alt war) begonnen, mich wieder zu bewerben. Als gelernte Bürokauffrau - mit über 10 Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen - dazu noch einige Weiterbildungen, da müsste sich doch halbtags oder auf 400-Euro-Basis etwas finden lassen, so meine Überlegung.
Über ein halbes Jahr habe ich Bewerbungen geschrieben (irgendwo bei 100 habe ich aufgehört zu zählen), ich habe mich auf alles, was halbwegs in die Richtung Büro ging beworben - am Ende auch auf Hilfsjobs, ect. Oft wurde ich nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen - und wenn doch, merkte ich bald, warum mich so wenige einluden: meine 2 Söhne im Alter von 4 und 2 Jahren.
Gleich nach dem Stellenspezifischen kam dann die alles entscheidende Frage: Wer betreut denn Ihre Kinder, wenn Sie arbeiten? Ja, die gehen doch in den Kindergarten. Beim ersten Mal dachte ich mir noch gar nichts bei dieser Frage. War doch alles geklärt - normalerweise besuchen meinen zwei Spatzen bis 14 Uhr den Kiga, falls sie einmal krank oder der Kiga zu sein sollte, würde sie eine Nachbarin nehmen. Alles schon geklärt.
Genauso beantwortete ich auch die Frage - doch am Gesicht meines Gegenübers merkte ich bald, das er mit dieser Antwort nicht zufrieden war. Doch was sollte ich denn machen? Darum habe ich mich doch um einen Halbtagsarbeitsplatz bzw. eine 400-Euro-Arbeit beworben, weil ich zwei kleine Kinder habe. Natürlich habe ich das so deutlich nicht gesagt.
Am Ende wurde wieder nichts aus der Arbeit - irgendjemand war unter den Bewerbern immer dabei, der keine kleinen Kinder hatte. Eine Frau Ende Vierzig - deren Kinder schon groß waren und die nur zum Spaß arbeiten wollte. Nein, nichts gegen Frauen Ende Vierzig - nicht mehr so lange, und ich bin selbst einer dieser Frauen. Die Arbeitgeber haben mich dabei gerärgert.
Ich hätte gerne wieder gearbeitet - doch vorallem hätten wir das Geld gut brauchen können.
Nach über 6 Monaten Suche, habe ich dann beschlossen, mich selbständig zu machen - mehr aus der Not heraus, als aus dem Willen, etwas Eigenes zu haben.
Heute möchte ich mich bei allen Arbeitgebern, die mich nicht genommen haben, bedanken! Etwas besseres als meine Selbständigkeit konnte mir, meiner Familie und unseren Finanzen nicht passieren.
Als Chefin achte ich nun darauf, dass ich Frauen mit Kindern einstelle. Davon habe ich nicht nur ein gutes Gewissen - sondern vorallem motivierte und streßresistente Mitarbeiterinnen.