Mutter sein und arbeiten? Geht das wirklich?

Mutter sein und arbeiten ist heute fast normal geworden. Doch wieviel Arbeit geht neben den Kindern? Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich viel arbeite? Wieviele Stunden kann ich als Mutter arbeiten?  Oder bin ich faul, weil ich mich gerne „nur“ um die Kinder kümmern möchte?  Fragen über Fragen – die sich (immer noch) meist nur die Mütter stellen.

Mutter sein und arbeiten - Streß lass nach!

Mutter sein und arbeiten ist normal geworden

Wie man auf der untenstehenden Infografik gut sehen kann, arbeiten heute 73,9 % alle Mütter mit minderjährigen Kindern. Immer noch viele „nur“ Teilzeit. Trotzdem heißt dass, dass jede 3. Mutter mit minderjährigen Kindern einer Beschäftigung nachgehen. Somit ist diese Doppelbelastung „Mutter sein und arbeiten“ kein Einzelfall mehr.

Infografik: Immer mehr Mütter sind im Job | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Ich selbst arbeite wieder, seitdem mein zweiter Sohn etwa 2 Jahre alt war. Bei Kind drei und vier habe ich nur noch kurze Pausen eingelegt. Damals war ich selbstständig – und habe sehr reduziert gearbeitet. Aber drei Jahre daheim war ich bei keinem meiner Kinder. Wollte ich auch nicht. Denn ich arbeite gern und mir würde wirklich etwas fehlen.

Mutter sein und arbeiten: Bornout lässt grüßen

Für alle da draußen, die es interessiert: Ich bin gerne Mutter von vier tollen Kindern und ich arbeite für mein Leben gern. Ohne Arbeit fehlt mir was – denn sonst hätte ich wahrscheinlich schon ein paar mal hingeschmissen. Denn als Mutter zu arbeiten, ist meist ein Balanceakt. Du zerreisst dich zwischen zwei Welten und möchtest es doch allen Recht machen – am Liebsten zu 110 Prozent.

Das es vielen Müttern so geht, zeigen diese Anfragen bei Google:

  • ich schaffe es nicht Arbeit und Kinder
  • überfordert mit Kind Haushalt Arbeit
  • als Mutter nicht mehr arbeiten
  • Kind und Arbeit vereinbaren
  • Job für Kind aufgeben
  • wieviel arbeiten mit 2 Kindern
  • überfordert mit Kindern und Haushalt
  • 3 Kinder überfordert
  • überfordert mit 4 Kindern
  • arbeiten mit 3 Kindern
  • 4 Kinder und arbeiten

Interessant an diesen Suchanfragen ist, dass ich keine einzige gefunden habe, die lauten würde:

Vater überfordert mit Arbeit und Kindern

Warum ist das so? Dass wir Frauen immer noch meinen, wir müssen das alleine schaffen? Dieser Frage gehe ich hier und heute nach.

Mutter sein und arbeiten: Meine Phantasie

Mutter sein und arbeiten könnte wirklich funktionieren! Ich glaube da fest daran. Es könnte so schön sein, wenn der Ehemann (soweit vorhanden 😉 ) auch mal den Müll runterbringt ohne danach ein Danke zu erwarten oder gar sich mal erbarmt mit den Kindern die Hausaufgaben zu machen. Wenn die Kinder (soweit groß genug) ihren Müll wieder selbst wegräumen und sich bitte ab und an auch mal um die Spülmaschine kümmern und wenn der Arbeitgeber endlich mal einsieht, dass Home Office nicht gleichbedeutend mit Füße hochlegen und nichts tun ist.

… ja, dann wäre meine Welt als arbeitende Mutter in Ordnung…. und ich könnte mich wirklich mal um die wichtigen Dinge im Leben kümmern: Meine Kinder. Wir könnten am Nachmittag – nach meiner gelungenen Arbeit – noch eine Runde spazieren gehen und Blümchen pflücken oder eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ spielen.

Danach steht die versammelte Familie in der Küche und wir machen gemeinsam ein leckeres (und gesundes) Abendessen – das wir gut gelaunt verspeisen und danach räumt natürlich jeder seinen Teller auf. Und der Rest verschwindet wie von Geisterhand in der Spülmaschine.

Ja, so könnte das wirklich funktionieren. Mutter sein und arbeiten könnte wirklich Spaß machen – ok, nicht jeden Tag und nicht zu jeder Stunde. Aber im Großen und Ganzen könnte Mutter sein und arbeiten echt gelingen.

Mutter sein und arbeiten: Die Realität

Ich gebe ja zu, ich habe meine Phantasie jetzt etwas sehr strapaziert. Aber kann man mir das verübeln?

Ich bin beides mit Leib und Seele:
Ich bin zu 100 Prozent Mutter  und zu 100 Prozent arbeite ich gern.

Richtig gelesen! Kein ABER! Warum auch? Muss sich ein Vater entscheiden? Der ist doch auch Vater UND geht auf die Arbeit – ohne schlechtes Gewissen und ohne sich zu zerreissen. Ja, ich weiß – irgendwie wohl weil wir das gepachtet haben. Warum haben wir Frauen die Hausarbeit gepachtet? Warum hilft uns unser Göttergatte schon mal – sieht das aber nicht als seine Arbeit an? Wieso? Ok… hier erst einmal zu meinem Tagesablauf.

Also meine Realität:

Früh versuche ich mit meinen Kindern gemeinsam zu frühstücken. Das muss natürlich schnell gehen – da wir alle fort müssen. Also schieb ich sie an, soweit es geht. Früher aufstehen hab ich schon so oft versucht. Aber meine Tochter schafft es auch, zwei Stunden zu verbummeln – um in den letzten 5 Minuten vor dem zur Schule gehen im absoluten Chaos zu versinken.

Ok, dann schlaf ich lieber eine Stunde länger. Es bleibt sowieso beim morgendlichen Chaos.

Endlich sind alle Kinder (und mein Mann) aus dem Haus. Jetzt renne ich nochmal schnell duch die Wohnung – räume das Nötigste auf, geh mit unseren Hunden raus – und danach starte ich ins Büro. Je nach Arbeitsstelle (ich hab die letzten 20 Jahre echt schon einiges ausprobiert, um zu sehen, was „lebenstauglich“ ist) bin ich am späten Nachmittag bzw. am frühen Abend wieder zuhause.

Natürlich war mein Mann so fertig von seiner Arbeit, dass er sofort auf die Couch musste – und meine Kids haben die Gelegenheit genutzt, sich in Ihre Zimmer zu verkrümmeln.

Jetzt hab ich drei Möglichkeiten:

  1. Ich explodiere
    Dann wackeln alle Wände, alle Kinder (und mein Mann) rennen herbei und tummeln sich in reger Betriebsamkeit. Innerhalb von 30 Minuten sind die wichtigsten Dinge erledigt. Dafür bin ich fertig. Traurig. Müde. Einfach nur enttäuscht. Konnte man diese 30 Minuten denn nicht schon irgendwann nachmittags erübrigen?
  2. Ich räume alleine auf
    Im Endeffekt mit dem gleichen Ergebnis. Dauert etwas länger – irgendwann gesellt sich mein Mann dazu und werkelt halbherzig mit.
  3. Ich lass es liegen
    Ehrlich? Ich habs probiert – ich bin 14 Tage über den Dreck drübergestiegen. Irgendwann muss das doch irgendjemanden stören. Naja, stören vielleicht schon. Aber…. naja,… man(n) ist dafür ja nicht verantwortlich. Wenn frau nix sagt, kann man(n) das ruhig liegen lassen.

Soweit zu meinen Möglichkeiten zuhause unser Zusammenleben zu steuern. Egal welche der drei Wege ich wähle – danach habe ich keine Kraft, keine Luft und auch keine Muse mehr mit meinen Kindern mal eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen …. denn das hatte ich vorher schon… in der abgewandelten Form „Mutti ägert sich wieder mal“…. Sorry… so macht das Leben als arbeitende Mutter keinen Spaß.

Mutter sein und arbeiten: Das Problem

Irgendwo habe ich gelesen, dass Problem sind wir Mütter selbst. Wir wären konfliktscheu. Ich verspreche euch: Ich bin NICHT konfliktscheu. Allerdings gebe ich auch zu… wenn ich „täglich grüßt das Murmeltier“ spielen soll… dann habe ich dazu keine Kraft.

Irgendwer hat wohl jeden Mann auf dieser Welt so erzogen, dass er meint, Haushalt gehe ihm nix an. Klar, würde er „helfen“ und auch mal „mitmachen“…. aber von alleine anfangen? Warum, bitte sowas? Nö!

Wenn ich darüber nachdenke, könnte ich heulen!

Verzweiflung und Mutlosigkeit machen sich breit.
Aber auch eine stinke Wut!

Allerdings habe ich echt schon viel versucht, um das Problem zu lösen:

  • Arbeitspläne
    Da haben echt alle mitgemacht – nur mein Mann hat sich still und leise verabschiedet.
    Danach hatten die Kids natürlich auch keinen wirklichen Grund mehr.
  • Krisensitzungen
    Ich kann schon nicht mehr zählen, wieviele.
  • Explosionen
    Was passiert, wenn Birgit in die Luft geht? Ihr wollt es nicht wissen! Ein Tornado ist ein Dreck dagegen. Einziges Problem: Genauso schaut es danach auch aus. Zumindest Emotional.
  • Nichts tun
    Siehe oben – es stört niemanden (so sehr, dass er was tun würde)
  • Reden, reden, reden
    Nur irgendwann wird da wohl jeder „Mutter-Taub“…. stimmt.

… und dann kommt natürlich noch der Arbeitgeber….

Selbstverständlich….

  • geht nur von 8 bis 17 Uhr (mit einer Stunde Mittag, die ich irgendwo außerhalb absitze – statt irgendwas produktivies zu tun).
  • ist kein Home Office erwünscht
  • muss ich meinen Urlaub so nehmen, wie es den Betrieb passt
  • werden Überstunden erwartet, wenn zuviel zu tun ist
  • muss ich auch mal am Wochenende ran
  • muss das Projekt noch vor meinem Urlaub fertig werden

…selbstverständlich…

So gern wie ich Mutter bin und so gerne wie ich arbeite (ich habe wirklich einen tollen Job!), irgendwie hat der Tag zu wenig Stunden. 🙁

Corona und die Folgen

Manchmal hat so eine Pandemie doch etwas positives. 🙂 Als ich vor 5 jahren erzählt habe, dass ich im Home Office arbeite, haben die meisten meiner Freundinnen nur müde gelächtelt. Das ging nirgends! Warum auch immer. Home Office ging nicht! Auch wenn es (mit etwas Phantasie) tatsächlich funktioniert hat. (Ich spreche jetzt nicht von der Verkäuferin oder Erzieherin – sorry, da schaut es einfach schlecht aus). Aber in den „Bürojobs“ war damals auch nichts zu machen.

Dann kam Corona – und alle, die irgendwie konnten, arbeiteten von zuhause aus. Plötzlich ging das.

Mal ganz ehrlich – ich glaube, keine arbeitente Mutter möchte diese Zeit zurück. Zu versuchen, irgendwie die Arbeit im „Home Office“ zu erledigen, nebenher die Kinder beaufsichtigen und bestenfalls noch Lehrerin „spielen“. Nein, die 2 Jahre Pandemie waren echt heftig!

Aber etwas gutes hatten sie – plötzlich kann man in manchen Branchen selbstständlich (wenn meist auch nur teilweise) im Home Office arbeiten.

Danke Corona!

Selbständig ist auch nicht (immer) besser

Nun kann frau sich ja auch selbstständig machen. Heute gibt es viele Frauen, die diesen Weg gewählt haben. Dann kann frau sich (theoretisch) die Zeit freier einteilen. Leider nur theoretisch. Die meisten selbstständigen Frauen (und Männer) sind von Kunden abhängig… und wenn ein guter Kunde oben genannte Ansagen macht, kannst du natürlich NEIN sagen… dann ist er halt weg. Wie gesagt, theoretisch ginge das… einmal.

Deshalb ist auch Selbstständig sein als Mutter anstrengend und stressig.

Positiv daran ist, dass du dir (meistens) deine Zeiten besser einteilen kannst. Arbeiten, wenn das Kind schläft – zumindestens meistens.

Mutter sein und arbeiten: … und dann ist Muttertag

Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum, den USA und anderen Ländern wird er am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. (Quelle Wikipedia)

Sorry, aber wer hat diesen Tag erfunden? Wer kam auf die Idee, dass Mütter an EINEM Tag im Jahr bitte schön EINMAL beachtet werden sollen?

Ich brauche keinen Muttertag! Ich will keinen Muttertag! Ich möchte endlich 365 Tage im Jahr für voll genommen werden.
Ich bin keine kostenlose Putze, Köchin, Krankenschwester, Lehrerin, Psychologin, Animateurin und Ärztin!
Ich bin Birgit – eine Frau knapp über 50 – die gerne lacht, lebt und mit ihren Lieben eine schöne Zeit verbringen will.

Geht das?
Zumindest ab und zu?

Meine Kinder (mittlerweile alle vier aus dem Gröbsten heraußen) sehen das nur teilweise so. Selbstverständlich haben sie Verständnis für meine Situation – und selbstverständlich darf auch ich meine Freizeit genießen. Aber dass mal eines von ihnen von ganz alleine auf die Idee kommt, die Küche aufzuräumen oder die Wäsche zu waschen… ich glaube, davon träume ich noch lange :).

Wobei ich echt sagen muss, mittlerweile muss ich nicht mehr so antreiben. Wenn ich nett frage, stehen sie meistens auf und machen mit. Zumindest das hat sich geändert.

Fazit: Mutter sein und arbeiten

Seid mir nicht böse, aber als vierfache Mutter sage ich euch:

Mutter sein und arbeiten – ja, das „darf“ frau heute!
Mutter sein und arbeiten – ja, das „kann“ frau heute!
Mutter sein und arbeiten – Bornout lässt grüßen.

 

PS. Auch wenn der Text jetzt etwas böse rüberkommt, ich bin gerne Mutter! Ich habe vier tolle Kinder, die ich über alles liebe. Das ist auch nicht das, was mich auf die Palme bringt. Mich ärgert, dass die Umwelt einfach so tut, als wäre „Mutter sein“ total einfach und ohne jegliche Anstrengung zu meistern. Als würden Mütter alles im Schlaf erledigen – und könnten selbstverständlich noch zwei oder drei weitere Baustellen aufmachen. Leute! Eine durchschnittliche Mutter arbeitet ungefähr 98 Stunden die Woche als Mutter! Wenn ich dann noch ein paar Stunden Schlaf und zumindest noch Zeit zum Essen und Waschen will, wann soll ich dann – ohne Abstriche – noch Vollzeit arbeiten?

Über Birgit Lorz

Birgit Lorz (geboren 1969), Mutter von 4 Kindern, ist seit 2001 als Online Marketing Manager im WWW unterwegs. Durch Ihren Werdegang liegen ihr gerade Themen rund um Seo, Selbstständigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Herzen.

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