Nebenverdienst versteuern: Fakten & Tipps

Nebenverdienst versteuern: Tipps & Fakten

Nebeneinkommen versteuern – kein Buch mit sieben Siegeln! Fragst du dich auch, wieviel Steuern du auf deine Nebeneinkünfte bezahlen musst? Die Antworten findest du hier!

Inhalt

  1. Definition Nebenverdienst
  2. Nebenverdienst: Fragen über Fragen
  3. Nebenverdienst: Antworten & Tipps
  4. Nebenjob und Arbeitslosigkeit
  5. Nebenverdienst: Weitere Kosten
  6. Nebenverdienst: Kür oder Pflicht?

1. Definition Nebenverdienst

Immer wieder reicht der Hauptjob nicht mehr oder du suchst dir neben deiner Tätigkeit als Hausfrau oder als Studentin einen Nebenverdienst. Dabei wird von Nebenverdienst, Nebenerwerb, Zuverdienst oder Zubrot gesprochen. Alles meint dasselbe: Du übst eine weitere Tätigkeit neben deiner Haupttätigkeit aus. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob du in deiner Haupttätigkeit Geld verdienst. Auch der Minijob einer Hausfrau ist ein Nebenverdienst.

2. Nebenverdienst: Fragen über Fragen

Zu diesem Thema „Nebeneinkommen und Steuern“ gibt es sehr viele interessante Fragen:

  • Wie sind Nebeneinkünfte zu versteuern?
  • Ist der Nebenjob steuerfrei?
  • Wie hoch wird ein Zweitjob versteuert?
  • Welcher Betrag ist steuerfrei?
  • Was darf ein Rentner steuerfrei dazuverdienen?
  • Wann müssen Nebeneinkünfte versteuert werden?
  • Welche Tätigkeiten sind steuerfrei?
  • Welche Einnahmen müssen versteuert werden?
  • Wie hoch darf der Stundenlohn bei Aushilfen sein?
  • Wie viel wird bei Steuerklasse 6 abgezogen?
  • Was ist wenn ich mehr als 450 Euro verdiene?
  • Wann lohnt sich ein zweitjob?
  • Wann muss man Steuern zahlen?
  • Wie hoch ist die Steuer für sonstige Einkünfte?
  • Wie viele Stunden für 450 Euro arbeiten?
  • Wie hoch ist die pauschale Steuer bei Minijob?
  • Wie viel Prozent Steuern muss man zahlen?
  • Welche Steuerklasse bei zweitjob?
  • Kann ich Fahrtkosten für Minijob absetzen?
  • Wo gibt man geringfügige Beschäftigung in der Steuererklärung an?
  • usw.

Gerne möchte ich euch die meisten dieser Fragen beantworten.

3. Nebenverdienst: Antworten & Tipps

Welche Tätigkeiten sind steuerfrei?

  • Ein Nebenverdienst – oder auch Nebeneinkommen / Nebeneinnahmen oder ähnliches genannt – ist alles, was du NEBEN deiner hauptsächlichen Tätigkeit machst.  Dabei ist es ersteinmal egal, ob du mit deiner Haupttätigkeit Geld verdienst. Somit ist ein 450-Euro-Job bei einer Hausfrau auch ein Nebenverdienst.
  • Eine nebenberufliche Selbständigkeit ist ebenfalls denkbar – hier gibts ein paar kleine Abzüge, aber auch hier sind über 400 Euro Gewinn im Monat steuerfrei. Genaueres bitte bei deinem zuständigen Finanzamt oder bei einem Steuerberater erfragen, nicht dass man um ein paar Cent darüber kommt. Wäre ärgerlich.
  • Auch sind ehrenamtliche Tätigkeiten Nebentätigkeiten – auch wenn man dort meist nichts verdient, falls man jedoch einmal ein paar Euro bekommt, muss man diese eventuell versteuern. Verdienst du als Ehrenamtlicher mehr als 720 Euro oder als Übungsleiter oder Betreuer mehr als 2.400 Euro pro Jahr, musst du den Teil der über den Freibetrag ist angeben. Dieser wird dann versteuert. Achtung! Dazu zählen auch die Fahrtkosten, usw.

Mehrere Nebenverdienste: Kann man 2 Minijobs gleichzeitig ausüben?

Wenn du keine Hauptbeschäftigung hast, kannst selbstverständlich mehrere Nebenverdienste haben. Dabeu du musst nur darauf achten, dass du mit den Minijobs zusammen nicht über die Freigrenze kommst. Das heißt, wenn du drei Nebenjobs hast, und jeweils genau 150 Euro verdienst, kannst du das gerne tun. Sobald du aber die 450 Euro ausgeschöpft hast, musst du einen Minijob anmelden und brauchst eine „Lohnsteuerkarte“. Ob sich das dann noch rentiert, musst du selbst ausrechnen. Alle anderen Minijobber müssen sich anderweitig krankenversichern.
Auf der Minijob-Zentrale gibt es nicht nur wertvolle Tipps, sondern auch den ein oder anderen Minijob.

Bin ich bei zwei Minijobs krankenversichert?

Ein Minijob ist sozialversicherungsfrei – somit bist du über den Minijob nicht krankenversichert. Solltest du aber eine Hauptbeschäftigung haben, zählt diese selbstverständlich. Bist du Schüler oder Stutent kannst du dich meist über deine Eltern familienversichern lassen. Das funktioniert auch, wenn dein Ehemann oder deine Ehefrau in einer gesetzlichen Krankenversicherung ist.

Was kostet die Krankenversicherung monatlich?

Eine Krankenversicherung selbst zu zahlen ist nicht gerade billig. Ab ungefähr 100 Euro  im Monat musst du rechnen. Je nach Krankenkasse kann das aber auch noch etwas mehr werden.

Kann ich Fahrtkosten für Minijob absetzen?

Das wäre wohl richtig cool. Allerdings – wenn man mal genauer darüber nachdenkt – kann das nicht funktionieren. Durch den Minijob bezahlst du nur eine Pauschalsteuer. Von welcher Steuer willst du dann die Fahrtkosten absetzen?

Wo gibt man geringfügige Beschäftigung in der Steuererklärung an?

Da der Arbeitgeber eine pauschale Steuer von 2 % abführt, musst du deinen Minijob gar nicht in der Steuererklärung angeben.

Midijob: Was ist wenn ich mehr als 450 Euro verdiene?

Dies ist immer ärgerlich – zumindest wenn es nur um ein paar Euro dabei geht. Wenn du nun merkst, dass du knapp über den Freibetrag liegst, solltest du überlegen, ob du wirklich alles angegeben hast, was dein Einkommen schmälert:

  • bei einer Selbständigkeit sind das ALLE Ausgaben
  • bei einem 450-Euro-Job darfst du nicht über diese Grenze kommen, da du sonst nicht mehr pauschal versteuert werden kannst
  • als Trainer oder ähnliches, kannst du auch nochmal schauen, ob du nicht noch irgendetwas absetzen kannst, z.B. Kleidung, Fahrtkosten, ect.

Wenn es so ist, dass du darüber liegst, kannst du dir vielleicht einmal von einem Steuerberater ausrechnen lassen, was jetzt für Abzüge auf die zukommen, damit du wieder ruhiger schlafen kannst. Für einen Überschlag gibt es mittlerweile auch Brutto-Netto-Rechner im Netz. Pass aber auf, dass sie die Midi-Zone kennen.

Die Frage „Ist ein Midijob steuerfrei?“ muss ich somit verneinen. Dank der Gleitzone werden aber sehr wenig Steuern abgezogen.  Ebenso werden in der Gleitzone (von 450,01 Euro bis 1.300 Euro) weniger Sozialabgaben  berechnet. Allerdings haben meine Versuchsberechnung einen ernüchternten Effekt gezeigt. Bei 1000 € Brutto bekommst du gute 15 € monatlich mehr.

So kannst du beispielsweise bei € 850 brutto mit etwa € 746 netto rechnen.

Wie viel bleibt netto?

Beispiele, was von brutto in etwa netto übrigbleibt:

  • Wie viel sind 500 Brutto in Netto?
    € 500 brutto sind etwa € 440 netto.
  • Wie viel sind 900 Euro Brutto in Netto?
    € 900 brutto sind etwa € 790 netto.
  • Wie viel sind 100 € Brutto in Netto?
    100 Euro brutto bleiben etwa 80 netto.
  • Wie viel sind 1200 Euro Brutto in Netto?
    € 1.200 brutto sind € 1.041 netto.

Zum Vergleich (überhalb der Midi-Grenze):

  • Wie viel sind 1500 Brutto in Netto?
    € 1.500 brutto sind € 1.240 netto.
  • Wie viel sind 2800 Brutto in Netto?
    € 2.800 brutto sind € 1.913 netto.

Was darf ein Rentner steuerfrei dazuverdienen?

Wenn Du die geltende Regelaltersgrenze erreicht hast, darfst du zu deineer gesetzlichen Rente unbegrenzt etwas hinzuverdienen. Allerding musst du deinen Verdienst über 450 € wieder versteuern.

Auch hier gibt es viele Fragen:

  • Ist ein Minijob für Rentner steuerfrei?
    Nein, auch ein Rentner muss Steuern zahlen, sobald er mehr als die 450 € dazuverdient.
  • Wie viel darf man bei Rente mit 63 dazuverdienen?
    Wenn du vor erreichen deiner Regelaltersgrenze in Rente gehst, darfst du nur 450 € hinzuverdienen.
  • Welche Abgaben bei Minijob als Rentner?
    Die Rentenversicherungspflicht in deinem Minijob endet mit Ablauf des Kalendermonats, in dem du die Regelaltersgrenze erreichst. Der Arbeitgeber muss jedoch auch für den Minijob eines Rentners den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent zahlen.

4. Nebenjob und Arbeitslosigkeit

Auch wenn dieses Thema nicht unbedingt mit dem Versteuern des Nebenverdiensts zu tun hat, möchte ich es kurz ansprechen. Zuviel Fragen gibt es dazu:

  • Wird Nebenjob auf Arbeitslosengeld angerechnet?
  • Was darf man bei Arbeitslosengeld 1 dazu verdienen?
  • Wie viel darf man als Arbeitsloser dazuverdienen?
  • Wie viel Geld darf ich zu meinem Arbeitslosengeld 2 dazu verdienen?
  • Wie hoch ist der Freibetrag bei ALG 2?

Bei Arbeitslosengeld I kannst du einen Nebenjob annehmen und damit hinzuverdienen. Bis zu einem Freibetrag von 165 Euro kannst du alles behalten – und es wird nichts vom Arbeitslosengeld abgezogen. Verdienst du mehr, wird der Mehrverdienst komplett abgezogen.

Beispiel: Bei einem Verdienst von 450 € werden dir 285 Euro (450 – 165) abgezogen. Das heißt dir bleiben 165 €.

Bei Arbeitslosengeld II (Hartz IV) werden dir von deinem Nebenverdienst pauschal 100 € abgezogen. Von dem verbleibenden Betrag nochmals 20 %. Der restliche Betrag wird von deinem Arbeitslosengeld II-Betrag abgezogen.

Beispiel: Von deinm Verdienst von 450 € werden dir 100 € pauschal abgezogen = 350 €, von denen du nochmals 20 % (70 Euro) behalten kannst = 280 €, die dir von deinen Bezügen abgezogen werden. Das heißt dir bleiben 170 €.

5. Nebenverdienst: Weitere Kosten

Auch wenn es hier gerade mehr um Steuern & Co geht, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass du eventuell noch andere Kosten haben kannst.

Die da wären:

  • Krankenkasse
    Als selbständige Hausfrau – wenn der Ehemann privat versichert ist – zahlst du Krankenkasse.
    Als selbständige Arbeiterin entfällt der Krankenkassenbeitrag solange, solange du mit deiner Haupttätigkeit mehr verdienst und dort mehr Zeit einbringst.
  • IHK / HWK
    Die sind sehr schnell mit dabei – und wollen einen Jahresbeitrag von 40 – 100 €. Erfrage hier die Bedingungen für eine Befreiung, meist geht das bei geringem Verdienst.
  • Hartz IV / ALG I
    Hier werden die Verdienste angerechnet. Du bekommst somit weniger Zuschüße vom Staat – und stehst wieder ein Stückchen mehr auf eigenen Beinen. Toll gemacht!
  • ect.
    Die Liste ist bestimmt nicht komplett – sobald mir noch etwas einfällt, erfährst du es. Falls dir etwas einfällt – freue ich mich über einen Kommentar. 🙂

6. Nebenverdienst: Kür oder Pflicht?

Für viele stellt sich heute leider gar nicht mehr die Frage, ob man etwas dazuverdienen will. Durch die geringen Löhne in vielen Branchen bleibt vielen Arbeitnehmern fast gar keine andere Wahl. Leider. Ein Nebenverdienst, der Ausgleich zu deiner Hauptbeschäftigung bietet und eventuell sogar noch Spaß macht, dazu ein paar Extragroschen in den Geldbeutel spült. Das war einmal der Gedanke an dieser Idee. Mittlerweile ist es leider so, dass viele ohne den Nebenverdienst gar nicht mehr überleben können. Ein Armutszeugnis für Deutschland.

Mit meinem Beitrag hoffe ich dir zumindest dabei geholfen zu haben, einen Weg zu finden, damit du möglichst viel von deinen harterarbeiteten Geld behalten kannst.

 

PS. Diesen Beitrag habe ich im August 2014 geschrieben und im Mai 2020 überholt. Von dem alten Artikel „Nebenverdienst versteuern“ blieb nur noch das Gerüst. Alle anderen Infos und Tipps sind aus dem Jahr 2020.

Über Birgit Lorz

Birgit Lorz (geboren 1969), Mutter von 4 Kindern, ist seit 2001 als Online Marketing Manager im WWW unterwegs. Durch Ihren Werdegang liegen ihr gerade Themen rund um Seo, Selbstständigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Herzen.

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