Jobsuche mit 50+ – So gelingt dir der Wiedereinstieg!

Jobsuche mit 50+? Ich weiß wie das ist – 2019 kam das Aus in meinem „alten“ Job. Mit großem Elan machte ich mich an die Jobsuche. Klar, ich war über 50 – aber ich hatte doch einiges zu bieten! Allerdings sahen das die Arbeitgeber (erstmal) anders….

Jung, gebildet und mit 20 Jahren Berufserfahrung!

Manche (nein eher viele) Arbeitgeber haben leider ein falsches Bild vom neuen Mitarbeiter. Klar, er sollte jung und gesund sein (wer wünscht sich schon einen kranken oder alten Mitarbeiter, der dauernd ausfällt?) – aber dazu bitte Berufserfahrung und Können mitbringen, dass einer Berufserfahrung von mehreren Jahren entspricht.

Dazu die eierlegenden Wollmilchsau – mit möglichst vielen Fähigkeiten und diese bitte bis ins Detail. Ja, stimmt. Ich war damals richtig sauer auf diese Arbeitgeber – denn … für diesen Superman wollten sie natürlich möglichst unter Tarif bezahlen.

Man fasst es kaum!

Jobsuche mit 50+ - So gelingt dir der Wiedereinstieg!

Bekommt man mit 50 noch einen Job?

Arbeitgeber wollen junge, tatkräftige und gut ausgebildete Mitarbeiter. Gerade frisch ausgebildete Mitarbeiter sind dazu noch relativ günstig. Für die Jobsuche mit 50+ braucht es andere Strategien. Nachdem ich weder jung noch billig war – musste ich mir eine anderen Ansatz überlegen. Dazu hatte ich noch ein anderes Problem. Heutzutage kann man Seo und Online Marketing studieren – ich bin aber über 50, damals gab es noch kein Studium. Ich habe somit keinen Bachelor oder Master.

Kein Studium. Keine Ausbildung – Keine Chance!?

Gerade ältere Arbeitssuchende ohne jegliche Spezialisierung haben es wohl besonders schwer, eine neue Anstellung zu finden. Ohne Berufsausbildung oder Studium wird es richtig schwer. Zu dieser Gruppe gehörte ich zumindest nicht ganz. Ich hatte mir Suchmaschinenoptimierung, Online Marketing und was ich sonst noch so kann  selbst beigebracht. Somit gibt es keinerlei Papiere darüber. Kein Studium. Keine Chance. So einfach ist das in Deutschland.

Die Nachteile für einen potenziellen Arbeitgeber, wenn er einen Mitarbeiter Ü50 einstellt, wurden mir so nach und nach klar. Von manchen Unternehmen bekam ich am Telefon Aussagen wie „Sie gehen ja schon in 15 Jahren in Rente“ …. oder …. „Sorry, zu teuer“. Von den meisten Unternehmen hörte ich aber …. nichts. Mittlerweile scheint es normal zu sein, nicht mal eine Absage zu schicken.

Nachteile von Ü50-Mitarbeitern

Viele Unternehmer haben ein ganz klares Bild, mit welchen Nachteilen sie rechnen müssen, wenn sie ältere Mitarbeiter einstellen:

  • Höhere Kosten
    Durch die jahrelange Berufserfahrung verlangen ältere Mitarbeiter meist auch höhere Gehälter. Das sich diese häufig rentieren, weil ein erfahrener Mitarbeiter weniger Zeit mit suchen und probieren verbringt, sehen leider die wenigsten Unternehmer.
  • mehr Ausfälle
    Ja, stimmt. Ein älterer Mitarbeiter kann schnell einmal krank werden. Ein junger aber auch ;). Selbstverständlich haben ältere Menschen häufig bereits Vorerkrankungen – dafür fallen sie nicht mehr wegen der Elternzeit oder der Kinderbetreuung aus.
  • unflexibel
    Ältere Mitarbeiter ziehen sich gerne auf Ihre Erfahrungen zurück – und wollen nichts neues mehr dazulernen. Ein schönes Vorurteil. 🙂 Andersherum wird ein Schuh daraus: Ältere Mitarbeiter haben schon viele Veränderungen mitgemacht und können so aus diesen Erfahrungen heraus mit neuen Veränderungen leichter umgehen.
  • gehen ja „bald“ in Rente
    Ja, ich habe vor, in 15 Jahren in Rente zu gehen! Aber mal ganz ehrlich – bis dahin haben junge Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle mindestens dreimal gewechselt! Welcher Mitarbeiter bleibt denn noch jahrzehnte bei einem Unternehmen? Ja – genau – ein älterer! Weil er endlich einmal „ankommen“ möchte.

Wenn du dir diese „Nachteile“ einmal genau anschaust, wirst du schnell feststellen dass es sich eher um „Vorurteile“ handelt. Denn keiner dieser Nachteile trifft auf jeden älteren Mitarbeiter zu – dazu sind noch viele dieser Vorurteile einfach schlichtweg nicht wahr. Doch was hilfts, wenn die Unternehmer trotzdem daran glauben? Außerdem gibt es viel mehr Vorteile für ein Unternehmen, dass auch ältere Mitarbeiter einstellt.

Jobsuche mit 50 Plus: Wie finde ich mit 50 einen neuen Job?

Deshalb hilft es dir nichts, darüber zu lamentieren, dass die Unternehmer deinen Wert nicht zu schätzen wissen. Ja, sie haben Vorurteile – und bei vielen Arbeitgebern wirst du in deinem Alter keinerlei Chance mehr haben. Ist so. Bleibt so.

Deshalb halte dich nicht mit diesen Unternehmern auf! Geh lieber auf die Suche nach Unternehmen, die Ü50-Mitarbeiter zu schätzen wissen. Es gibt sie! Wenn sie auch rar sind.

Im Vergleich zu meinen Jobsuchen mit 20 oder 30 war diese Jobsuche mit etwas über 50 Jahren schon sehr anstrengend. Ich tippe unzählige Bewerbungen – und bekam fast keine Einladungen zum Vorstellungsgespräch.

Meine Mankos:

  • Ich bin eine Frau
    Ja, das ist immer noch ein Manko. Frauen haben gefälligst Frauenberufe (die schlechtbezahlten) zu nehmen. Außerdem haben die immer mehr bei der Kinderbetreuung zu tun.
  • Ich bin über 50
    Ohje, das auch noch! Jobsuche mit 50+ ist und bleibt ein Langstreckenlauf! Aufgeben nicht erlaubt!
  • Ich habe nicht studiert
    Ich glaube, das ist mir echt zigmal auf die Füße gefallen. Lieber einen frisch studieren Seo als einen Seo mit über 20 Jahren Berufserfahrung (aber ohne Studium).
  • Ich wohne auf dem platten Land
    Die nächste Stadt, in der ich eine Job finden kann, ist ca. 50 km entfernt. Für mich nicht das Problem! Allerdings schränkt es die Auswahl ein.
  • Ich habe Berufserfahrung
    Echt! Wie häufig ich gehört habe, dass meine Berufserfahrung im Wege steht… okay, wohl eher das Gehalt, dass ich dafür (wahrscheinlich) wollte.

Ganz ehrlich? Alle diese Mankos sind Vorteile:

  • als Frau und Mutter kann ich zig Tätigkeiten planen, umsetzen und überwachen, ich kann mich durchsetzen und behalte den Überblick
  • mit 50 Jahren habe ich genug Erfahrung und Wissen, um den richtigen Lösungsweg für jedes Problem zu finden
  • ich habe mir alles, was ich weiß selbst beigebracht – in meiner Freizeit, weil es mir Freude bereitet hat! Was gibt es besseres, als einen Mitarbeiter der mit Freude und Lerneifer bei der Sache ist?
  • die Fahrt zur Arbeit habe ich meist mit Podcasts oder anderen interessanten Sachen verbracht. Außerdem gibt es heutzutage Home Office. Auf dem Land habe ich ein großes Haus – da stehen mehrere Zimmer frei.
  • Berufserfahrung als Manko? Da wird eher andersrum ein Schuh draus, wenn junge Mitarbeiter verzweifelt nach einem Lösungsweg suchen, kann ich aus meinem Erfahrungsschatz meist zwei oder drei Wege aufzeigen. So koste ich nur auf den ersten Blick mehr. Meist spart Erfahrung sogar noch Geld.

Versuche deine „Nachteile“ aufzuschreiben – aus Sicht der Arbeitgeber. Danach überlegst du, ob es wirklich Nachteile sind. Notiere dir deine Version. Du wirst sie brauchen. Vielleicht nicht sofort – aber irgendwann kommt die Zeit. Deine Vorteile kannst du gut in Bewerbungen und noch viel besser in den (leider seltenen) Vorstellungsgesprächen unterbringen.

Video: Bewerbung mit 50 Plus

Jobsuche mit 50+ – so findest du den passenden Job!

Egal wie alt du bist, die Jobsuche beginnt bei allen gleich: Zuerst musst du passenden Stellenangebote finden. Doch wo suchen?

Arbeitsagentur – hier habe ich meine neue Stelle gefunden!

Als erste Anlaufstelle eignet sich die Arbeitsagentur wirklich gut. Dort findest du viele Unternehmen, die gerade Arbeitnehmer suchen – mittlerweile kannst du dort sogar nach Arbeitsstellen im Home Office suchen. So habe ich meine neue Stelle gefunden. Echt! Über die Arbeitsagentur.

Außerdem kannst du dort ein Bewerberprofil anlegen. Je nachdem, welche Kenntnisse du hast, kann es so gut vorkommen, dass sich Unternehmen bei dir bewerben.

Stellenanzeigen.de – für die überregionale Suche super!

Auf dieser Unterseite von stellenanzeigen.de kannst du durch die bekanntesten Unternehmen stöbern. Gerade wenn du auch dazu bereit bist, für deinen neuen Job umzuziehen, ist diese Liste Gold wert. Denn viele Unternehmen schreiben ihre Stellenausschreibungen nur auf der Firmenwebseite aus – und hier hast du die Möglichkeit viele verschiedene Unternehmen zu durchstöbern.

Facebook, Linkedin & Xing

Je nachdem, in welchem Bereich du nach eine Arbeitsstelle suchst, kannst du auf diesen Portalen fündig werden. Bei Linkedin und Xing kannst du dir ein kostenloses Profil anlegen – und darin vermerken, dass du nach einem neuen Wirkungskreis suchst. Auch hier können sich dann interessierte Unternehmen bei dir melden.

Bei Facebook gibt es viele verschiedene Gruppen, in denen du nach passenden Stellen suchen kannst. Leider sind hier auch manche Betrüger unterwegs. Nichts destotrotz kannst du über Facebook wirklich eine neue Arbeitsstelle finden.

Ebay, Foren, Google

Es gibt noch viel mehr Ideen, wo und wie du nach der passenden Stellenanzeige suchen kannst. Selbst bei Ebay oder in Fachforen werden Arbeitsplätze angeboten. Wenn du googelst, sei phantasiereich – probiere verschiedene Kombinationen.

Offline suchen

Natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten. Vor lauter Internet vergessen wir manchmal die interessantesten:

  • Freunde, Bekannte und Familie fragen
  • das „schwarze Brett“
  • die Zeitung (auch die kostenlosen)
  • selbst an den Straßen stehen mittlerweile viele Stellenangebote

Bevor du dich bewirbst, ruf an!

Diesen Tipp hat mir einmal eine Referrent meiner Fortbildung gegeben. Er hat erzählt, dass er bis jetzt nur Jobs bekommen hat, bei denen er vorab angerufen hat. Dies funktioniert vielleicht bei großen Unternehmen weniger gut. Aber wenn du wirklich bis zum Entscheidungsträger vordringst, hast du gute Chancen.

Ich selbst habe das bei ein paar Bewerbungen probiert, die besonders interessant waren – und ich hatte eine nicht ganz so gute Quote. ABER ich wurde bei über der Hälfte zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen! Dafür dass ich sonst so eine schlechte Quote hatte, schon überwältigend.

Wenn gerade gar nichts geht: Eine Fortbildung beantragen!

Ich war echt lange arbeitslos. Habe unendlich viele Bewerbungen geschrieben. Nichts hat geholfen. Nachdem ich mit meinem Latein fast am Ende war – hatte meine Schwester eine geniale Idee. Hätte ich damals auch selbst drauf kommen können.

Bei der Arbeitsagentur unter „Kursnet“ kannst du dir alle möglichen Kurse anschauen, die du gefördert bekommst. Dort habe ich mir einen Kurs ausgesucht, der mich wirklich weiterbringen konnte! Dabei habe ich darauf geachtet, dass er auch ein paar Monate geht. Somit war ich erstmal „untergebracht“. Mit diesem Kurs im Hinterkopf habe ich bei der Arbeitsagentur angerufen – und nach einer Weiterbildung gefragt. Theoretisch hätte die nette Dame ihn mir auch ablehnen dürfen – aber ich hatte passende Argumente und war auch schon längere Zeit arbeitslos. Somit hat sie ihn mir innerhalb weniger Minuten genehmigt.

So eine Fortbildung hat mehrere Vorteile:

  • sie zeigt den Unternehmen, bei denen du dich bewirbst, dass du aktiv etwas dafür tust, um wieder zu arbeiten
  • ebenfalls beweißt du damit, dass du noch lernwillig bist
  • du bist wieder einmal ein paar Monate beschäftigt
  • mit etwas Glück lernst du genau das, was der nächste Arbeitgeber sucht

Fazit: Wann ist man zu alt für den Arbeitsmarkt?

Wann ist man nicht mehr vermittelbar? Hast du dir diese Frage auch schon mal gestellt – ich schon. Denn die Jobsuche mit 50+ geht manchmal echt an die Nerven. Nach einem Jahr vergeblicher Jobsuche – und Absagen, die mir den letzten Mut genommen hatten.  Bin ich denn wirklich mit Anfang 50 schon zu alt für einen Neuanfang? Allerorten wird vom Fachkräftemangel geredet – und dann will mich keiner?

Ja, du merkst – ich kenne diese Gedanken zur Genüge.

Aber ich kann dir Mut machen! Doch es will auch dich bestimmt noch ein Arbeitgeber! Mit 50+ musst du allerdings länger danach suchen.

PS. Um meine Geschichte abzuschließen: Nach über eineinhalb Jahren (inklusive einer über viermonatigen Fortbildung), nach etwa 150 Bewerbungen – und etwa zehn bis fünfzehn Vorstellungsgesprächen…. wurde ich noch im Vorstellungsgespräch eingestellt. Von Arbeitgebern, die selbst so alt sind wie ich – und die wissen, dass man auch in meinem Alter noch Leistung bringen kann und will.  Gib dich nicht auf! In unserem Alter muss man die richtigen Arbeitgeber finden. Leider.

Über Birgit Lorz

Birgit Lorz (geboren 1969), Mutter von 4 Kindern, ist seit 2001 als Online Marketing Manager im WWW unterwegs. Durch Ihren Werdegang liegen ihr gerade Themen rund um Seo, Selbstständigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Herzen.

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